Magnolia
Im Vorgarten des Hauses meiner Grossmutter steht der grosse, alte, bei Menschen mit offenen Augen dorfbekannte Magnolienbaum.
Seine jährliche Blüte gleicht einer Explosion mehr als einem sanften Frühlingserwachen: Innert kürzester Zeit wird er zu einer unbeschreiblichen Pracht aus Weiss und Rosa. Tage nur, dann beginnen die handtellergrossen Blütenblätter auch schon zu fallen und bedecken den Boden mit ihrer Pracht. Tägliches Wischen reicht nicht aus.
Als Kinder sammelten wir diese frisch gefallenen Blüten auf und verarbeiteten sie mit grossem Eifer zu Parfum. Es schien uns schlicht undenkbar, dass so etwas Schönes, Frisches und vor lauter Frühling fast platzen Wollendes, nicht auch eine wunderbar duftende Essenz enthalten musste, die es zu gewinnen und zu konservieren galt.
Meine Grossmutter brachte uns Gläser und Kellen. Wir vermischten die Magnolienblüten mit Wasser und zerstampften die Mischung voller Elan zu einer braunen Brühe, welche wir in Flaschen abfüllten. Sie sah unserer Parfumproduktion von ihrer Sitzbank aus jeweils vergnügt zu.
Meine Grossmutter lebt nicht mehr. Ich bin aus dem Dorf weggezogen. Der Magnolienbaum aber steht und blüht Jahr für Jahr und trotzt in seiner Konstanz den wechselnden Generationen.
Wenn es ein Lebewesen gibt, das ich als Symbol meiner Kindheit anschaue, dann ist es Grosis Magnolie. Unser Parfumbaum.
Im Vorgarten des Hauses meiner Grossmutter steht der grosse, alte, bei Menschen mit offenen Augen dorfbekannte Magnolienbaum.
Seine jährliche Blüte gleicht einer Explosion mehr als einem sanften Frühlingserwachen: Innert kürzester Zeit wird er zu einer unbeschreiblichen Pracht aus Weiss und Rosa. Tage nur, dann beginnen die handtellergrossen Blütenblätter auch schon zu fallen und bedecken den Boden mit ihrer Pracht. Tägliches Wischen reicht nicht aus.
Als Kinder sammelten wir diese frisch gefallenen Blüten auf und verarbeiteten sie mit grossem Eifer zu Parfum. Es schien uns schlicht undenkbar, dass so etwas Schönes, Frisches und vor lauter Frühling fast platzen Wollendes, nicht auch eine wunderbar duftende Essenz enthalten musste, die es zu gewinnen und zu konservieren galt.
Meine Grossmutter brachte uns Gläser und Kellen. Wir vermischten die Magnolienblüten mit Wasser und zerstampften die Mischung voller Elan zu einer braunen Brühe, welche wir in Flaschen abfüllten. Sie sah unserer Parfumproduktion von ihrer Sitzbank aus jeweils vergnügt zu.
Meine Grossmutter lebt nicht mehr. Ich bin aus dem Dorf weggezogen. Der Magnolienbaum aber steht und blüht Jahr für Jahr und trotzt in seiner Konstanz den wechselnden Generationen.
Wenn es ein Lebewesen gibt, das ich als Symbol meiner Kindheit anschaue, dann ist es Grosis Magnolie. Unser Parfumbaum.